Glossar · Bewertung & Kennzahlen

Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert)

Der Goodwill (Geschäfts- oder Firmenwert) ist der Teil eines Kaufpreises, der über den Substanzwert der einzeln bewertbaren Vermögensgegenstände abzüglich Schulden hinausgeht. Er verkörpert immaterielle Werte wie Kundenstamm, Marke, Know-how und Ertragskraft und entsteht bei der Unternehmensnachfolge regelmäßig im Moment des Unternehmenskaufs.

Was der Goodwill wirtschaftlich abbildet

Der Goodwill ist die rechnerische Differenz zwischen dem gezahlten Kaufpreis und dem Substanzwert (Zeitwert der Aktiva minus Schulden). Er steht für all jene werthaltigen Faktoren, die in keiner Bilanzposition einzeln greifbar sind, aber die Ertragskraft tragen:

Gerade im Mittelstand macht dieser ideelle Wert oft den Löwenanteil des Unternehmenswerts aus. Bei ertragsstarken Dienstleistern liegt der ertragsorientierte Wert über das Ertragswertverfahren regelmäßig ein Vielfaches über dem reinen Substanzwert — die Differenz ist der Goodwill.

Goodwill-Bilanzierung: HGB vs. IFRS und Steuerrecht

AspektHGBIFRS / Steuer
Planmäßige AbschreibungJa, über Nutzungsdauer (i.d.R. 10 J.)IFRS: nein, nur Impairment-Test
Außerplanmäßige AbschreibungBei dauerhafter WertminderungBei Wertminderung (Impairment)
Originärer (selbstgeschaffener) GoodwillAktivierung verbotenAktivierung verboten
Steuerliche Abschreibung (Asset Deal)Ja, über 15 JahreJa, über 15 Jahre
Steuerliche Abschreibung (Share Deal)NeinNein

Wie der Goodwill beim Kauf entsteht

Goodwill entsteht buchhalterisch nur bei einem entgeltlichen Erwerb (derivativer Geschäftswert). Ein selbst geschaffener (originärer) Firmenwert darf nicht aktiviert werden — er wird erst im Verkauf sichtbar und bezahlt.

Beim Share Deal oder Asset Deal wird der Kaufpreis im Zuge einer Kaufpreisallokation (Purchase Price Allocation) auf die übernommenen Vermögenswerte verteilt. Der Restbetrag, der sich keinem identifizierbaren Vermögensgegenstand zuordnen lässt, ist der Goodwill. Beispiel: Kaufpreis 3,0 Mio. Euro, beizulegender Substanzwert 1,8 Mio. Euro — der Goodwill beträgt 1,2 Mio. Euro.

Die Höhe des Goodwills ist damit unmittelbar Verhandlungssache und Ergebnis der Unternehmensbewertung; eine Plausibilisierung über den Unternehmenswert-Rechner hilft, die Größenordnung einzuschätzen.

Bilanzierung des Goodwills

Der derivative Goodwill wird beim Erwerber aktiviert und anschließend behandelt:

Beim Asset Deal ist der Goodwill für den Käufer steuerlich abschreibbar (über 15 Jahre), was den Asset Deal für Käufer attraktiv macht. Beim Share Deal hingegen wird der Goodwill steuerlich nicht direkt abgeschrieben. Diese Unterschiede sind ein wesentlicher Treiber der Strukturwahl.

Der ideelle Wert in der Nachfolge

Für übergebende Unternehmer ist der Goodwill der Lohn jahrzehntelanger Aufbauarbeit — und zugleich der gefährdetste Teil des Werts. Hängt er zu stark an der Person des Inhabers, droht er bei der Übergabe zu verdampfen: Verlassen wichtige Kunden mit dem Senior, sinkt der nachhaltige Ertrag und damit der Goodwill.

Käufer sichern sich deshalb häufig über Earn-out-Klauseln oder eine Übergangsbegleitung ab. Verkäufer wiederum schützen ihren Goodwill, indem sie das Unternehmen frühzeitig von der eigenen Person lösen, Schlüsselkunden auf das Team verteilen und Prozesse dokumentieren.

Goodwill, Substanzwert und Bewertungsmethoden

Der Goodwill verbindet zwei Bewertungswelten: den vergangenheitsorientierten Substanzwert und den zukunftsorientierten Ertragswert. Ertragsorientierte Verfahren wie das Ertragswertverfahren, das DCF-Verfahren auf Basis des Cashflows oder EBITDA-Multiples auf das EBITDA erfassen den Goodwill implizit, weil sie den Wert aus der Ertragskraft ableiten.

Bei rund 190.000 bis 2026 anstehenden Nachfolgen im Mittelstand ist die Frage, wie viel vom Goodwill übertragbar und damit bezahlbar ist, oft entscheidend. Die ISO-zertifizierte Nachfolgeberatung von Luz Werner Wissenbach unterstützt bei Bewertung und Strukturierung — siehe Nachfolgeberatung. Diese Darstellung ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.

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Häufige Fragen

Was versteht man unter Goodwill?

Der Goodwill oder Geschäfts- und Firmenwert ist der Teil des Kaufpreises, der über den Substanzwert hinausgeht. Er bildet immaterielle Werte wie Kundenstamm, Marke, Know-how und Ertragskraft ab, die sich nicht einzeln bilanzieren lassen, aber den Unternehmenswert tragen.

Wie wird der Goodwill berechnet?

Goodwill = Kaufpreis − Substanzwert (Zeitwert der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden). Bei einem Kaufpreis von 3 Mio. Euro und einem Substanzwert von 1,8 Mio. Euro beträgt der Goodwill 1,2 Mio. Euro. Er ist damit unmittelbar Ergebnis der Bewertung und Verhandlung.

Wird Goodwill abgeschrieben?

Nach HGB wird derivativer Goodwill planmäßig über die Nutzungsdauer abgeschrieben, im Zweifel über zehn Jahre. Nach IFRS erfolgt keine planmäßige Abschreibung, sondern ein jährlicher Werthaltigkeitstest. Steuerlich ist der Goodwill beim Asset Deal über 15 Jahre abschreibbar.

Warum ist der Goodwill in der Nachfolge riskant?

Hängt der ideelle Wert stark an der Person des Inhabers, kann er bei der Übergabe verloren gehen, wenn Kunden oder Know-how mit dem Senior abwandern. Eine frühzeitige Loslösung des Unternehmens von der Inhaberperson sichert den übertragbaren Goodwill.

Spielt Goodwill bei Share Deal und Asset Deal eine unterschiedliche Rolle?

Ja. Beim Asset Deal kann der Käufer den Goodwill steuerlich über 15 Jahre abschreiben, beim Share Deal nicht. Dieser Unterschied ist ein wichtiger Treiber bei der Wahl der Transaktionsstruktur. Diese Angaben ersetzen keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.

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